Stille Nacht – heilige Nacht

Viele Klienten, um die wir uns täglich kümmern, sind kurz vor oder während des Zweiten Weltkrieges geboren. Fast alle erinnern sich sehr genau an die Weihnachtsfeste ihrer Kindheit. Wenn sie davon erzählen, sind wir immer wieder erstaunt, wie schön die Feste waren, obwohl viele kaum etwas hatten und sich oft in Not und Gefahr befanden.

Die Weihnachtsfeste im Krieg waren davon geprägt, dass die Väter fehlten. So waren die Mütter dafür zuständig, ihren Kindern wenigstens diesen Tag im Jahr so gut es ging schön und sorgenfrei zu gestalten. Nach den vielen Erzählungen unserer Klienten zu schließen, gelang das meist erstaunlich gut. Zwar gab es weder fette Weihnachtsgänse noch viele Geschenke, dafür aber zählten die weihnachtlichen Traditionen umso mehr. Meist wurden die Wohnungen sehr gründlich geputzt und dann weihnachtlich geschmückt, mit Engelshaar und goldenen Glöckchen, selbstgebastelten Sternen und Weihnachtskugeln. Der Weihnachtsschmuck wurde sehr sorgsam behandelt und von Generation zu Generation weitergegeben. Am Weihnachtsabend selbst sang man Weihnachtslieder und erzählte sich besinnliche Geschichten oder las sich gegenseitig vor. Natürlich gab es auch Geschenke. Das hatte aber nichts mir der Flut an großen und kleinen Aufmerksamkeiten zu tun, wie wir sie heute kennen. Meist bekam man etwas, was nützlich war: eine Mütze, ein Kleid oder Strümpfe. Die Sachen waren eigentlich immer selbstgemacht, oft aus abgelegten Kleidungsstücken.
Zeitzeugen berichten, dass es die lang ersehnten friedlichen Momente waren, die diese Weihnachtsfeste so schön machten. Alles was es gab – kleine Leckereien, gebratene Äpfel, ein warmer Ofen oder auch der Tannenduft in der Wohnung – wurde als etwas Besonderes wahrgenommen. Und die Menschen genossen über alles, dass sie wieder zusammen sein konnten.

In den letzten Kriegsjahren und vor allem in den ersten drei Jahren nach dem Krieg gab es praktisch nichts, es waren schlimmen Hungerjahre. Kaum einer konnte es sich leisten, viele Geschenke zu kaufen. Aber wenigsten waren einige Väter wieder zurück, kümmerten sich um die Weihnachtsbäume und bastelten Kleinigkeiten zum Spielen für ihre Kinder.

In diesem Sinne wünschen wir allen ein besinnliches, ruhiges und vor allem friedliches Weihnachtsfest. Erfreut Euch an Euren Lieben, genießt die Zeit zusammen und lasst euch nicht von der allgemeinen Hektik anstecken.

Stille Nacht, heilige Nacht!
Alles schläft, einsam wacht
Nur das traute, hochheilige Paar.
Holder Knabe im lockigen Haar,
Schlaf in himmlischer Ruh,
Schlaf in himmlischer Ruh.