Pflegestärkungsgesetz II – das müssen Sie wissen

Ab Januar tritt das Pflegestärkungsgesetz II in Kraft – und mit ihm werden die Pflegegrade eingeführt. Wir haben über die anstehenden Veränderungen bereits in einem vorherigen Blogpost ausführlich berichtet (April 2016 – „Pflegegrade“). Da die Erneuerungen aber wichtig und umfassend sind, möchten wir in diesem Monat noch einmal auf die wichtigsten Punkte eingehen.

Drei Pflegestufen werden zu fünf Pflegegraden
Seit Januar 2015, mit Inkrafttreten des Pflegestärkungsgesetztes I, haben auch Menschen mit kognitiven und psychischen Einschränkungen leichteren Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung. Vorher bezog sich der Begriff „pflegebedürftig“ vor allem auf körperliche Defizite. Die nun anstehende Einführung der fünf Pflegegrade und ein Begutachtungsverfahren, das sowohl körperliche als auch kognitive und psychische Einschränkungen erfasst, treiben diese Umgestaltung weiter voran. Bei der Begutachtung werden vom Medizinischen Dienst der Krankenlassen (MDK) sechs Bereiche beurteilt, um die Fähigkeiten der Betroffenen und die Beeinträchtigung ihrer Selbständigkeit zu erfassen.

1. Mobilität – z.B. körperliche Beweglichkeit oder Fähigkeit zum Treppensteigen
2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten – z.B. Verstehen und Sprechen oder örtliche bzw. zeitliche Orientierung
3. Verhaltensweisen und psychische Probleme – z.B. nächtliche Unruhe oder selbstgefährdendes Verhalten
4. Selbstversorgung – z.B. Körperpflege oder Ernährung
5. Bewältigung und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen – z.B. Medikamenteneinnahme, Wundversorgung oder Arztbesuche
6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte – z.B. Gestaltung des Tagesablaufs

Die, aus dieser Begutachtung resultierende Einschätzung der Selbständigkeit des Pflegebedürftigen bestimmt den Pflegegrad:
Pflegegrad 1: geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit
Pflegegrad 2: erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit
Pflegegrad 3: schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit
Pflegegrad 4: schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit
Pflegegrad 5: schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung

Übrigens wird jeder, der bereits jetzt Leistungen der Pflegeversicherung erhält, automatisch in das neue System übergeleitet. Es muss kein neuer Antrag auf Begutachtung gestellt werden! Bisherige Leistungen bleiben mindestens im gleichen Umfang bestehen. Wie hoch die künftigen Leistungsbeträge tatsächlich sein werden, können Sie unter www.pflegestaerkungsgesetz.de nachsehen.