Stille Nacht – heilige Nacht

Viele Klienten, um die wir uns täglich kümmern, sind kurz vor oder während des Zweiten Weltkrieges geboren. Fast alle erinnern sich sehr genau an die Weihnachtsfeste ihrer Kindheit. Wenn sie davon erzählen, sind wir immer wieder erstaunt, wie schön die Feste waren, obwohl viele kaum etwas hatten und sich oft in Not und Gefahr befanden.

Die Weihnachtsfeste im Krieg waren davon geprägt, dass die Väter fehlten. So waren die Mütter dafür zuständig, ihren Kindern wenigstens diesen Tag im Jahr so gut es ging schön und sorgenfrei zu gestalten. Nach den vielen Erzählungen unserer Klienten zu schließen, gelang das meist erstaunlich gut. Zwar gab es weder fette Weihnachtsgänse noch viele Geschenke, dafür aber zählten die weihnachtlichen Traditionen umso mehr. Meist wurden die Wohnungen sehr gründlich geputzt und dann weihnachtlich geschmückt, mit Engelshaar und goldenen Glöckchen, selbstgebastelten Sternen und Weihnachtskugeln. Der Weihnachtsschmuck wurde sehr sorgsam behandelt und von Generation zu Generation weitergegeben. Am Weihnachtsabend selbst sang man Weihnachtslieder und erzählte sich besinnliche Geschichten oder las sich gegenseitig vor. Natürlich gab es auch Geschenke. Das hatte aber nichts mir der Flut an großen und kleinen Aufmerksamkeiten zu tun, wie wir sie heute kennen. Meist bekam man etwas, was nützlich war: eine Mütze, ein Kleid oder Strümpfe. Die Sachen waren eigentlich immer selbstgemacht, oft aus abgelegten Kleidungsstücken.
Zeitzeugen berichten, dass es die lang ersehnten friedlichen Momente waren, die diese Weihnachtsfeste so schön machten. Alles was es gab – kleine Leckereien, gebratene Äpfel, ein warmer Ofen oder auch der Tannenduft in der Wohnung – wurde als etwas Besonderes wahrgenommen. Und die Menschen genossen über alles, dass sie wieder zusammen sein konnten.

In den letzten Kriegsjahren und vor allem in den ersten drei Jahren nach dem Krieg gab es praktisch nichts, es waren schlimmen Hungerjahre. Kaum einer konnte es sich leisten, viele Geschenke zu kaufen. Aber wenigsten waren einige Väter wieder zurück, kümmerten sich um die Weihnachtsbäume und bastelten Kleinigkeiten zum Spielen für ihre Kinder.

In diesem Sinne wünschen wir allen ein besinnliches, ruhiges und vor allem friedliches Weihnachtsfest. Erfreut Euch an Euren Lieben, genießt die Zeit zusammen und lasst euch nicht von der allgemeinen Hektik anstecken.

Stille Nacht, heilige Nacht!
Alles schläft, einsam wacht
Nur das traute, hochheilige Paar.
Holder Knabe im lockigen Haar,
Schlaf in himmlischer Ruh,
Schlaf in himmlischer Ruh.

Pflegestärkungsgesetz II – das müssen Sie wissen

Ab Januar tritt das Pflegestärkungsgesetz II in Kraft – und mit ihm werden die Pflegegrade eingeführt. Wir haben über die anstehenden Veränderungen bereits in einem vorherigen Blogpost ausführlich berichtet (April 2016 – „Pflegegrade“). Da die Erneuerungen aber wichtig und umfassend sind, möchten wir in diesem Monat noch einmal auf die wichtigsten Punkte eingehen.

Drei Pflegestufen werden zu fünf Pflegegraden
Seit Januar 2015, mit Inkrafttreten des Pflegestärkungsgesetztes I, haben auch Menschen mit kognitiven und psychischen Einschränkungen leichteren Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung. Vorher bezog sich der Begriff „pflegebedürftig“ vor allem auf körperliche Defizite. Die nun anstehende Einführung der fünf Pflegegrade und ein Begutachtungsverfahren, das sowohl körperliche als auch kognitive und psychische Einschränkungen erfasst, treiben diese Umgestaltung weiter voran. Bei der Begutachtung werden vom Medizinischen Dienst der Krankenlassen (MDK) sechs Bereiche beurteilt, um die Fähigkeiten der Betroffenen und die Beeinträchtigung ihrer Selbständigkeit zu erfassen.

1. Mobilität – z.B. körperliche Beweglichkeit oder Fähigkeit zum Treppensteigen
2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten – z.B. Verstehen und Sprechen oder örtliche bzw. zeitliche Orientierung
3. Verhaltensweisen und psychische Probleme – z.B. nächtliche Unruhe oder selbstgefährdendes Verhalten
4. Selbstversorgung – z.B. Körperpflege oder Ernährung
5. Bewältigung und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen – z.B. Medikamenteneinnahme, Wundversorgung oder Arztbesuche
6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte – z.B. Gestaltung des Tagesablaufs

Die, aus dieser Begutachtung resultierende Einschätzung der Selbständigkeit des Pflegebedürftigen bestimmt den Pflegegrad:
Pflegegrad 1: geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit
Pflegegrad 2: erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit
Pflegegrad 3: schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit
Pflegegrad 4: schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit
Pflegegrad 5: schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung

Übrigens wird jeder, der bereits jetzt Leistungen der Pflegeversicherung erhält, automatisch in das neue System übergeleitet. Es muss kein neuer Antrag auf Begutachtung gestellt werden! Bisherige Leistungen bleiben mindestens im gleichen Umfang bestehen. Wie hoch die künftigen Leistungsbeträge tatsächlich sein werden, können Sie unter www.pflegestaerkungsgesetz.de nachsehen.

Wo ist meine Brille denn schon wieder geblieben?

Es ist wirklich lästig und viel zu oft nötig – das Suchen nach der Brille. Aber vielleicht ist es ja ein Trost, dass 90 Prozent aller Menschen häufig etwas suchen müssen. Das Alter spielt dabei allerdings keine Rolle. Meist werden Schlüssel, Geldbeutel oder Brillen vermisst.
Natürlich können Sie versuchen, Ihre Brille erst gar nicht mehr zu verlegen. Das wäre das Beste. Eine Brillenkette ist bei diesem Vorhaben sehr hilfreich. Oder Sie gewöhnen sich an, die Brille immer an einen bestimmten Ort zu legen, wenn sie gerade nicht gebraucht wird. Sollte das gute Stück aber trotz aller Vorsichtsmaßnahmen mal wieder verschwunden sein, haben wir ein paar Tricks für’s erfolgreiche Suchen zusammengestellt:

1. Erinnerung
Versuchen Sie nachzuvollziehen, wann Sie die Brille das letzte Mal getragen oder gesehen haben. Dazu durchlaufen Sie gedanklich noch einmal alle Stationen des Tages. Beginnen Sie mit dem, was sie als letztes getan haben und gehen sie immer weiter zurück, bis zum Morgen oder, wenn es sein muss, bis zum vorherigen Tag.

2. Brillenplätze
Sicher haben Sie ihre Brille schon öfter gesucht. Versuchen Sie sich daran zu erinnern, wo Sie die Brille das letzte Mal gefunden haben. Vielleicht gibt es ja sogar einen Platz, wo Sie sie schon häufiger entdeckt haben. Dann schnell dort nachschauen!

3. Hilfe
Manchmal sieht man ja den Wald vor lauter Bäumen nicht – und das passiert besonders oft, wenn man etwas sehr intensiv sucht. Wenn Sie schon zum wer-weiß-wievielten Mal in die Schublade geschaut oder auf dem Regal nachgesehen haben, nimmt Ihr Gehirn nicht mehr so richtig wahr, was Sie sehen. Suchen Sie sich also Hilfe. Eine andere Person wird oft schon nach kurzer Zeit fündig.

Übrigens helfen diese Tricks auch wenn man Handschuhe, Taschen, Ausweise, Fahrkarten etc. verlegt hat.
Für alle, die ihren Schlüsselbund oft suchen müssen, gibt es ein überaus praktisches Gerät: den akustischen Schlüsselfinder. Man befestigt ihn wie einen Schlüsselanhänger am Schlüsselbund. Wenn Sie dann Ihre Schlüssel einmal nicht mehr finden können müssen Sie – je nach Gerät – einfach pfeifen, in die Hände klatschen oder mit dem Handy den Sender auslösen. Daraufhin fängt der Schlüsselfinder an zu blinken und zu piepen. So haben Sie Ihren Schlüssel schnell wieder.
Probieren Sie doch mal unsere Suchtricks aus. Und berichten Sie gerne auf unserer Facebook-Seite von Ihren persönlichen Kniffen, um Dinge wiederzufinden.

Sturzprophylaxe – am besten, es passiert erst gar nichts

Das Risiko zu stürzen steigt mit dem Alter. Durch wissenschaftliche Untersuchungen wissen wir, dass jeder Zweite über 70-Jährige bereits ein oder mehrmals gestürzt ist. Hämatome und schmerzhafte Prellungen sind die häufigsten Folgen. Etwa 15 Prozent der Betroffenen erleidet aber auch Knochenbrüche oder Kopfverletzungen. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Sturz, neben den körperlichen Verletzungen, auch psychische und soziale Folgen haben kann. Das ist dann der Fall, wenn die Mobilität eingeschränkt wird, aus Angst vor weiteren Stürzen. Für uns sind das alles gute Gründe, hier einmal über eine effektive Sturzprophylaxe zu informieren.

Meist stürzen ältere Menschen zu Hause: auf der Treppe, im Bad oder wenn sie nachts zur Toilette gehen. Sogenannte extrinsische Faktoren – also umweltbedingte Gründe, wie zum Beispiel ein zu dunkles Zimmer, fehlende Haltegriffe oder Stolperfallen, wie Teppich-Läufer, Kabel auf dem Fußboden – können die Ursache dafür sein. Oder es handelt sich um intrinsische Faktoren, die den Sturz auslösen – also Gründe, die vom Menschen selbst ausgehen, beispielsweise Sehstörungen, Verwirrtheit oder plötzliche Erkrankungen wie ein Schlaganfall. Oft ist es eine Mischung aus beidem.
Bei der Sturzprophylaxe kommt es vor allem darauf an, diese Risiken und Gefahren schon im Vorfeld zu erkennen und durch geeignete Maßnahmen zu minimieren. Dabei ist es wichtig, dass die Schritte mit den Betroffenen und deren Angehörigen besprochen und geplant werden. Das steigert die Akzeptanz und damit die positive Wirkung.

Kraft und Balance stärken
Nachlassende Muskelkraft und mangelndes Gleichgewichtsgefühl sind häufig Ursachen für Stürze. Denn wer an Kraft und Balance verliert, steht unsicher auf den Beinen. Hinzu kommt, dass die Knochen nicht mehr so gut geschützt sind, wenn die Muskelmasse weniger wird. Die Gefahr für Knochenbrüche (Frakturen) steigt.
Im Laufe des Lebens büßt ein Mensch etwa ein Drittel seiner Muskelkraft ein. Wenn also im Alter die Kraft nachlässt, ist das ein natürlicher Prozess, der aber dennoch positiv beeinflusst werden kann. Das Beste ist, in Bewegung zu bleiben: Spazieren gehen, regelmäßige Gleichgewichtsübungen, tanzen oder sanfte Sportarten wie Tai Chi oder Yoga halten fit. Wer aber bereits unsicher geht, sollte sich von seinem Arzt über ein geeignetes Trainingsprogramm beraten lassen. Viele Sportvereine bieten Kraft- und Balance-Kurse an.

Stolperfallen beseitigen
Teppichkanten, schlecht erkennbare Stufen, Lampenkabel, rutschige Böden und nasse Badewannen sowie Duschkabinen sind häufig Sturzverursacher. Hier lässt sich leicht Abhilfe schaffen, indem die Sturzquellen möglichst beseitigt werden, soweit das möglich ist. Teppich-Läufer können, wenn sie tatsächlich nicht entfernt werden sollen, mit doppelseitigem Klebeband befestigt und mit Stopperfolie unterlegt werden. Kabel sollten am Rande des Zimmers verlegt, Duschkabinen und Badewannen mit Antirutschmatten ausgestattet werden. Außerdem ist es sinnvoll in Bad, Dusche und an der Toilette Haltegriffe anzubringen. Treppen können beidseitig mit Handläufen oder einem Treppenlifter ausgestattet werden.
Für bestimmte Umbaumaßnahmen zum Beispiel Haltegriffe oder Treppenlifter gibt es unter Umständen Zuschüsse von der Pflegekasse. Sprechen Sie Ihre Pflegekasse diesbezüglich an.

Für Helligkeit und gute Sicht sorgen
Wer schlecht sieht, läuft Gefahr hinzufallen – das ist klar. Deshalb ist es wichtig, immer für ausreichend Beleuchtung zu sorgen. Und zudem muss die Sehstärke regelmäßig von einem Augenarzt überprüft werden. Ein Tipp für die Nacht: Auf den Weg vom Schlafzimmer zur Toilette nachts immer das Licht anlassen.

Geeignete Hilfsmittel bereitstellen
Abgenutzte Gummistopper an Gehhilfen und schlechte Bremsen am Rollator stellen genauso eine Gefahr dar wie schlechtsitzende Schuhe oder zu hohe Betten. Deshalb ist es wichtig, nur individuell eingestellte Hilfsmittel zu benutzen und diese auch regelmäßig warten zu lassen. Und die regelmäßige Überprüfung von Schuhen und Kleidung hilft ebenfalls, Stürze zu vermeiden.

Medikation überprüfen
Die Nebenwirkungen von Medikamenten können Auslöser für Stürze sein – vor allem Arzneien, bei denen Schwindelgefühle und Benommenheit zu den Nebenwirkungen gehören. Hierzu gehören unter anderem Beruhigungsmittel und Diuretika. Deshalb sollte der Hausarzt die verschriebenen Medikamente regelmäßig überprüfen. Bei einem akuten Verdacht, dass Arzneien unerwünschte Nebenwirkungen verursachen, ist es notwendig, sofort mit dem verordnenden Arzt darüber zu sprechen.

Die Angst vor dem Sturz lindern
Häufig verhalten sich Menschen, die schon einmal gefallen sind sehr vorsichtig. Um einen erneuten Sturz zu verhindern, vermeiden sie bestimmte Wege oder Witterungsbedingungen oder sie bewegen sich generell sehr vorsichtig. Die selbstbeschränkte Mobilität hat aber leider zur Folge, dass Kraft und Gleichgewichtsgefühl weiter schwinden – und die Unsicherheit wächst weiter. Besser ist es, Betroffenen die Angst zu nehmen. Kurse zur Sturzprävention helfen dabei. Aber auch Hüftprotektoren können das Gefühl der Sicherheit stärken. Das sind Unterhosen, die auf Hüfthöhe besondere Polster haben und damit helfen, die Folgen eines Sturzes zu mindern.

Sicherer, guter Schlaf
Ein Sturz aus dem Bett hat oft schwere Folgen. Deshalb ist es bei unruhigen Schläfern wichtig, eine gute Beratung in Anspruch zu nehmen.
Der „Werdenfelser Weg“ist aus unserer Sicht ein guter Ansatz.

Literaturempfehlungen für ein wichtiges Thema
Für alle, die mehr wissen möchten, haben wir hier noch einige Buchempfehlungen zum Thema Sturzprophylaxe:
– Mai, Markus: Analyse und Bewertung von Methoden und Instrumenten zur Sturzrisikoerhebung. Verlag DR. MÜLLER, 2008. ISBN 3-639-07328-2
– Pierobon, Adriano, Funk, Manfred: Sturzprävention bei älteren Menschen. Thieme Verlag, Stuttgart; ISBN 978-3-13-143761-7
– Tideiksaar, Rein (Hrsg.): Stürze und Sturzprävention. Assessment – Prävention – Management. 2008, ISBN 3-456-83269-9
– Windisch, Isabella, Newiger, Christoph: Stürze vermeiden. Aktiv bleiben. Noema Verlag, 2013. ISBN 978-3-9812781-3-2

Das Alter und seine Veränderungen

Körperliche Veränderungen sind während unseres gesamten Lebens unvermeidbar, sie erscheinen allerdings vermehrt während des letzten Abschnittes des Lebens.
Eine typische Eigenschaft dieser Veränderungen ist, dass sie sich langsam einschleichen. Viele Veränderungen unseres Körpers treten sogar ein, ohne dass wir es merken, sozusagen heimlich. Zu Recht sind wir dann überrascht, wenn uns nichts mehr wie früher gelingt. Plötzlich sind längere Ruhepausen notwendig, wir können nicht mehr so schnell und sicher gehen oder benötigen deutlich wir weniger Schlaf als zuvor.

Was hilft uns, damit souverän umzugehen? Was hilft uns, die Veränderungen zu akzeptieren oder zumindest einen Kompromiss mit Ihnen zu schließen?
Grundsätzlich hat sich eine positive Einstellung gegenüber Veränderungen und dem Altern bewährt.

Ein Leitfaden in 3 Schritten soll Hilfestellung leisten.

Erster Schritt:
Die eigene Sichtweise ist sehr entscheidend.
Zunächst versuchen wir, über die Veränderungen nicht enttäuscht zu sein. Wir können vielmehr versuchen, Veränderungen zu akzeptieren, wenn sie eintreten, beispielsweise wenn wir nicht mehr selbst Auto fahren dürfen oder wenn wir insgesamt weniger beweglich sind, als wir es waren.
Altern ist dem gegenüber in vielen Bereichen aber auch nicht mit Verlusten und Nachteilen verbunden, wie es gesellschaftlich allgemein vermutet wird. Altern bringt teilweise sogar Vorteile, wie mehr Gelassenheit und Weisheit mit sich.
Alles in allem können wir dem Altern nicht entfliehen, es gehört zum Leben dazu und hat eben auch seine schönen Seiten.

Zweiter Schritt:
Bewegung und Ernährung, so gut es geht.
Wir können unserem Älterwerden aktiv begegnen. Mit dem Prozess des Alterns gehen häufig Schmerzen und Unsicherheiten einher. Hilfreich sind leichte Gymnastikübungen, um Schmerzen vorzubeugen. Vielleicht sogar in einer netten Senioren-Gymnastikgruppe bei schöner Musik. Eine Laufhilfe hilft bei Geh-Unsicherheit. Somit sind wir weiterhin mobiler, aktiver und stärker.
Zudem ist es gut, sich die Essgewohnheiten anzuschauen und gegebenenfalls zu verändern.
Wir wollen bei alledem natürlich selbst alle Entscheidungen treffen, bevor die Begebenheiten uns dazu drängen. Was bleibt, ist die Freude darüber, dass wir rechtzeitig gehandelt haben.

Dritter Schritt:
Lachen ist die beste Medizin.
Es ist sehr hilfreich, wenn wir eine positive Einstellung gegenüber dem Leben haben und behalten und unseren Humor pflegen. Wir wollen sicherlich nicht wie ein alter Griesgram enden.
Unsere körperliche Entwicklung ist nun mal nicht vorhersehbar. Wenn wir die kommenden Veränderungen mit einer gewissen Leichtigkeit annehmen können, hilft das, eine ruhige Haltung zu entwickeln und positiv nach vorne zu blicken.
Wichtig ist, vor allem das zu sehen, was uns gelingt. Wenn es dann mal zwickt und zwackt, können wir es nicht immer ändern, aber bestenfalls mal darüber lachen oder auf die leichte Schulter nehmen.
Beispiele von Menschen, die über 100 Jahre alt werden, zeigen immer wieder, dass sie eine positive und oft auch humorvolle Einstellung gegenüber dem Leben haben.

Die Geschichte des Altenpflegeberufes in Deutschland.

Bis zum Mittelalter wurde die Bevölkerung im Bedarfsfall von Laienmedizinern versorgt. Im Mittelalter wurden pflegebedürftige, kranke und alte Menschen fast ausschließlich innerhalb der Familie gepflegt, einige wenige auch von Menschen aus dem kirchlichen Umfeld.
Erst nach Ende des Mittelalters wurde in Frankreich die wohltätige christliche Frauenvereinigung „Confrérie des Dames de la Charité“ gegründet, die als Vorreiter der Caritas-Organisation gilt.
In Deutschland gründeten Frederike und Theodor Fliedner im 19. Jh. die „Keiserswerther Diakonie“, um den sozialen Problemen der Industrialisierung entgegen zu wirken. Sie arbeiteten u.a. in der Erziehung und Bildung von Kindern und in der Pflege von Alten und Kranken.

Bis in die 1920er Jahre wurden alte pflegebedürftige Menschen und Demenzkranke in so genannten „Siechenheimen“ (= Hospizen) oder in Altenheimen untergebracht, deren Zustände oft erschütternd waren. Das Pflegepersonal war fachlich nicht ausgebildet und bestand größtenteils aus kirchlichen Mitgliedern. Ausgebildete Krankenschwestern waren lediglich in der Leitung der Hospize beschäftigt.

Eine bedeutende Veränderung fand im Laufe der Nachkriegsjahre und des Wirtschaftswunders statt. Die Anzahl von alten Menschen, um die sich keine Familie kümmern konnte oder wollte, stieg deutlich an. Die ersten Altenpflegeheime wurden gegründet und forderten in der Folge einen erhöhten Personalbedarf.
Für die Altenpflege standen aber nicht genügend Krankenschwestern zur Verfügung, außerdem war deren Einsatz relativ kostspielig. Damals wurden vor allem weibliche Arbeitskräfte gesucht, weil deren Lohnkosten nicht zu hoch waren und weil die Meinung vorherrschte, dass sie aufgrund der „typisch weiblichen“ Eigenschaften besonders gut Alte und Kranke versorgen könnten.

Der Beruf war aber nicht reglementiert, es gab z.B. keine einheitlichen verbindlichen Ausbildungsstandards. Betriebsinterne Schulungen für Altenpfleger wurden erst Ende der 1950er Jahre in konfessionellen Einrichtungen eingeführt. In den 60er Jahren stieg die Zahl der zu versorgenden Pflegebedürftigen nochmals an, qualifiziertes Personal fehlte weiterhin. Somit entstanden zuerst konfessionelle, später auch kommunale Ausbildungsstätten, welche die Ausbildung anboten, zunächst ohne staatlichen Abschluss.
Die Pflege alter Menschen wurde erstmals zu einem politischen Thema.

Während der 70er und 80er Jahre wurde die Altenpflegeausbildung erweitert und vertieft. Anfangs gab es eine 1,5-jährige Ausbildung, die eine Mischung folgender Elementen umfasste: Lebensbegleitung, medizinische Betreuung, hauswirtschaftliche Versorgung und Klienten Betreuung vor.

In den 80er und 90er Jahre wurde der Ausbildungsgang in fast allen Bundesländern auf zwei Jahre verlängert und die Inhalte auf spezifische Problematiken des Alterns zugeschnitten. Allerdings erließen die Bundesländer keine einheitliche Ausbildungsverordnung (bis 2003 existierten siebzehn unterschiedliche Ausbildungsregelungen).
Vom DBVA (Deutscher Berufsverband für Altenpflege e.V.) wurde ein Berufsbild für staatlich anerkannte Altenpfleger formuliert und in die Ausbildungskonzeption übernommen.

Ende der 1990er Jahre setzte sich bundesweit eine dreijährige Ausbildung, die stark an das Duale (praktische und theoretische Lerninhalte) System angelehnt ist, durch. Darüberhinaus wurde beschlossen, dass Altenpflegekräfte, ebenso wie Gesundheits- und Krankenpflegekräfte, medizinische Behandlungspflege im Auftrag des Arztes durchführen dürfen.
Die Fächer der Ausbildung beinhalteten u.a. Alten- und Krankenpflege, Gerontologie, Gesundheits- und Krankheitslehre, Arzneimittellehre, Psychiatrie, Ernährungslehre, Berufs- und Rechtskunde sowie Rehabilitation.
Verschiedene Praktika im Rahmen der Ausbildung bieten einen guten Einblick in die tägliche Arbeit mit alten Menschen. Die Praktika können in stationären oder ambulanten Altenpflegeeinrichtungen, aber auch in Krankenhäusern absolviert werden.
In 17. November 2000 wurde das Altenpflegegesetz verabschiedet und die Altenpflegeausbildung in der Fassung der Bekanntmachung vom 25. August 2003 bundeseinheitlich geregelt.

Die regierende große Koalition aus CDU/CSU und SPD arbeitet zurzeit an einer möglichen Zusammenlegung des Altenpflegeberufes mit den Krankenpflegeberufen. Ob die erhofften Vorteile bei der Personalgewinnung und Attraktivität des Berufes eintreten würden, ist in der Fachwelt allerdings umstritten.

Der Gedanke, dass meine Mutter irgendwann wohl Pflege brauchen würde hatte mich lange beschäftigt.

Ich hatte mich aber nicht wirklich damit auseinander gesetzt. Und dann stürzte meine Mutter… Ich gebe zu, ich hatte es meiner Mutter nicht mehr zugetraut, weiterhin alleine zu Hause wohnen zu können. Im letzten Jahr hatte sie deutlich abgebaut.
Wenn ich sie besuchte, räumte ich, von ihr meist unbemerkt, die Wohnung auf und putzte Bad und Küche. Schon des Öfteren hatte ich mir vorgenommen, ernsthaft mit ihr über ihre weitere Zukunft zu sprechen, aber dann doch nicht den Mut dazu gefunden. Ja, die Endlichkeit des Lebens wurde mir immer bewusster, ein Thema, über das ich nicht gerne mit ihr sprach.

Andererseits konnte ich ihr nicht noch mehr meiner freien Zeit widmen. Ich selbst war mindestens einmal wöchentlich zu Besuch, meine Frau kaufte für sie ein und wir telefonierten regelmäßig mit ihr. Ein schlechtes Gewissen hatte ich trotzdem und ich glaubte immer, einen leichten Vorwurf in ihren Augen oder ihrer Stimme zu spüren.

Nachdem sie eines Tages beim Zubettgehen gestürzt war und die ganze Nacht auf dem Boden vor dem Bett verbracht hatte, war ich mit meinem Latein am Ende. Ich bat ihren Hausarzt Dr. K. um Rat. Ich hatte mir einen Platz in einem schönen Seniorenheim mit engagierten Mitarbeitern vorgestellt. Diese 24-Stunden-Rundumbetreuung schien mir das Beste für sie zu sein.
Dr. K. sprach auch die Möglichkeit einer ambulanten Pflege an, er könne da nach jahrelanger Zusammenarbeit einen bestimmten Pflegedienst sehr empfehlen.

Meine Mutter war allerdings zunächst generell gegen alle Vorschläge. Sie konnte zwar einsehen, dass sie Hilfe benötigte, sie mochte sich aber keine Veränderungen vorstellen. Wir haben lange gesprochen und dabei viele Möglichkeiten abgewogen.
Nach einiger Zeit ließ meine Mutter dann aber doch mit sich reden. Ich konnte ihre Scheu und ihr Unbehagen vor einer Veränderung spüren. Sie machte mir sehr deutlich, dass sie auf gar keinen Fall aus ihrer gewohnten Umgebung weg in ein Seniorenheim ziehen würde.

Ich schlug die Empfehlung von Dr. K. vor, den Pflegedienst „Delphin Ambulante Pflege für Hamburg“. Es kommen dort immer dieselben Pflegekräfte. Das Konzept nennt sich Bezugspflege, auch wegen der kleinen Pflegeteams. Ich recherchierte selbst im Internet über Bezugspflege. Gerade in der Anfangsphase einer Pflege ist sie vertrauensbildend und insgesamt sehr hilfreich für den weiteren Verlauf der Pflege.
Nach einem persönlichen Gespräch mit der Pflegedienstleitung hatte ich einen guten Gesamteindruck über die Ambulante Pflege im Allgemeinen und über die spezielle Bezugspflege bei Delphin.
Einige Tage später trafen wir uns mit 2 Pflegekräften aus dem Team. Sie stellten sich vor, erklärten ihre Arbeit, machten Angebote zur Unterstützung und erfragten die Wünsche meiner Mutter. Meine Mutter antwortete zunächst häufig: “Das mache ich eigentlich noch alleine“. Am Ende ließ sie sich aber doch darauf ein und wollte es ausprobieren.

Die beiden Pflegekräfte kommen jetzt abwechselnd seit etwa 5 Wochen. Vor einigen Tagen erzählte mir meine Mutter, sie wäre sehr froh, dass diese „zwei netten Menschen“ jetzt Teil ihres Alltags wäre.

Als ich von meinem Arzt zurückkehrte, fühlte ich mich noch ein Stückchen älter als sonst schon.

Mein Hausarzt meinte nämlich, ich könnte nicht mehr alles alleine bewältigen, ich sollte mir zu Hause von einem Pflegedienst helfen lassen.
Das war, nachdem ich ausgerutscht und gestürzt war und die ganze Nacht neben meinem Bett auf dem Fußboden liegen musste. Ich konnte tatsächlich nicht mehr alleine aufstehen.

Ich bin jetzt 83 Jahre alt und – wirklich alles – macht mir mittlerweile mehr zu schaffen als noch vor einiger Zeit. Angefangen hat es mit dem Treppensteigen und Spazierengehen, ich wurde im letzten Jahr immer langsamer, unsicherer und ängstlicher. Die Knie schmerzen. Meinen Führerschein habe ich schon vor einiger Zeit auf Anraten meines Sohnes abgegeben. Er hat ja Recht, die anderen Autofahrer hatten immer häufiger gehupt oder mich wütend überholt.

Ich fühle mich auch ein wenig einsam. Mein Sohn arbeitet viel, dennoch kommt er mich meist am Wochenende besuchen und wir telefonieren öfters. Traurig ist jedoch, dass sich mein Freundeskreis in den letzten Jahren immer mehr verkleinert hat, kaum einer von den alten Freunden ist noch übrig.

Das Alt-Werden macht mir doch zunehmend Angst. Das Sehen und Hören wurde langsam schlechter und auch Riechen und Schmecken haben deutlich nachgelassen.

Vor allem war ich oft nicht sicher, ob meine Wohnung richtig sauber oder ob das Badezimmer und die Toilette schmuddelig waren. Das verunsicherte mich immer mehr, wenn ich mal Besuch hatte. Ansprechen mochte ich das Thema aber nie, auch nicht nach Hilfe fragen. Ich habe es allerdings an dem Verhalten meiner Enkelin gemerkt: sie schaute vor dem Kaffeetrinken in jede Tasse oder spülte sie lieber gleich aus. Das war früher nicht so.

Auch mich zu waschen, war sehr anstrengend geworden, ich bin einfach nicht mehr überall richtig heran gekommen. Duschen war ich kaum noch, da ich jedes Mal eine Heidenangst davor hatte, auszurutschen und zu stürzen. Beim Waschen und Anziehen ist in der Regel mindestens 1 Stunde vergangen.

Ich hätte nie gedacht, dass es mal so kommen würde. Ehrlich gesagt hatte ich gehofft, dass sich in dieser Situation mein Sohn verstärkt um mich kümmern könnte. Eigentlich sogar, dass er die Pflege seiner Mutter, wenn nötig, übernehmen würde! Schließlich hatte ich mein ganzes Leben lang viel für ihn getan.

Ich habe aber das Gefühl, dass mich mein Sohn nicht noch mehr unterstützen kann. Er übernimmt schon viele Dinge, die ich nicht mehr alleine schaffe. Und dann hat er ja noch seine Familie und seine Arbeit.

Ich habe ihm jedoch gleich klar gemacht, dass ich auf keinen Fall in einem Seniorenheim wohnen würde. Aber auch der Gedanke an einen Pflegedienst bei mir zu Hause fiel mir schwer.

Dass es mit mir und dem Pflegedienst Delphin so gut klappen würde, hätte ich anfangs nicht gedacht. Schließlich wollte ich ursprünglich überhaupt keinen Pflegedienst und mir fremde Menschen zu Hause haben!

Wenn Sie mehr erfahren möchten, erzählen wir Ihnen gerne im Juni, wie sich die Geschichte aus Sicht des Angehörigen abgespielt hat.

Die neuen 5 Pflegegrade ab Januar 2017: Das Pflegestärkungs-Gesetz II

Wir haben für Sie einen Überblick über die ab Januar 2017 geltenden Änderungen des Pflegegesetzes aufgelistet. Grundlage hierfür ist das bereits verabschiedete Pflegestärkungs-Gesetz II der Bundesregierung. Alle Angaben sind ohne Gewähr.

Zur Vorgeschichte
Die Bundesregierung ließ zunächst Experten die Grundlagen für einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff erarbeiten. Ziel war die Verbesserung der Versorgung aller pflegebedürftigen Menschen, da die ursprüngliche Definition der Pflegebedürftigkeit zu eng gefasst war. 2014 testete der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) das neue Begutachtungsverfahren in Pflegeeinrichtungen und im häuslichen Umfeld auf seine Eignung.
Die Ergebnisse der Erprobung und der Evaluation wurden bereits ab Januar 2015 mit dem Pflegestärkungsgesetz I umgesetzt. Die Leistungen für bestimmte Bereiche der Pflege stiegen und ließen sich fortan von den Pflegebedürftigen individueller in Anspruch nehmen.

Was bezweckt das neue Gesetz?
Bis 2015 bezog sich der Begriff ´Pflegebedürftigkeit´ vor allem auf körperliche Beeinträchtigungen. Pflegebedürftige Menschen mit kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen (z.B. Demenz) wurden von dieser Definition nur zum Teil erfasst. Ein gleichberechtigter Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung war daher nicht gegeben.
Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff nimmt den Menschen in seiner gesamten Lebenswelt in den Blick. Dadurch können individuelle Fähigkeiten und Beeinträchtigungen der Pflegebedürftigen genauer als bisher erfasst werden und Leistungen der Pflegeversicherung passgenauer in Anspruch genommen werden.

Was ändert sich für pflegebedürftige Menschen?
Ab 2017 gilt das neue Pflegestärkungsgesetz II. Anstelle der bekannten 3 Pflegestufen wird es dann 5 „Pflegegrade“ und ein entsprechend angepasstes Begutachtungsverfahren durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) geben.
Bei der Begutachtung werden 6 verschiedene Bereiche beurteilt, die die Fähigkeiten der Menschen und die Beeinträchtigungen ihrer Selbständigkeit erfassen.

1) Mobilität: z.B. körperliche Beweglichkeit, Treppensteigen
2) Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: z.B. verstehen und sprechen, örtliche / zeitliche Orientierung
3) Verhaltensweisen und psychische Probleme: z.B. nächtliche Unruhe, selbstgefährdendes Verhalten
4) Selbstversorgung: z.B. Körperpflege, Ernährung
5) Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen: z.B. Medikamenteneinnahme, Wundversorgung, Arztbesuche
6) Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte: z.B. Gestaltung des Tagesablaufs

Für den Anspruch auf Pflegeleistungen ist ab 2017 der Grad der Selbständigkeit ausschlaggebend. Dabei spielen die bisherigen Zeitorientierungswerte keine Rolle mehr.
Vielmehr geht es um die Frage, ob die Fähigkeiten des Pflegebedürftigen, sich selbst zu versorgen noch vorhanden sind und ob damit verbundene Tätigkeiten selbständig, teilweise selbständig oder nur mit Hilfe (unselbständig) ausgeübt werden können.
Anhand der Fähigkeiten in Bezug auf die 6 – unterschiedlich gewichteten- Bereiche wird der MDK den Grad der insgesamt vorhandenen Selbständigkeit des Pflegebedürftigen feststellen und diesen entsprechend in einen der 5 Pflegegrade einstufen.

Pflegegrad 1: geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit
Pflegegrad 2: erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit
Pflegegrad 3: schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit
Pflegegrad 4: schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit
Pflegegrad 5: schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung

Wie hoch sind die künftigen Leistungsbeträge?
Unter www.pflegestärkungsgesetz.de können Sie sich über die Höhe der Leistungen informieren.

Muss ich mich trotz bereits bestehendem Leistungsanspruch neu begutachten lassen?
Jeder, der bereits jetzt Leistungen der Pflegeversicherung erhält, wird automatisch in das neue System übergeleitet und muss keinen neuen Antrag auf Begutachtung stellen. Bisherige Leistungen bleiben mindestens im gleichen Umfang bestehen. Die Leistungshöhe wird in den meisten Fällen sogar deutlich steigen.
Menschen mit ausschließlich körperlichen Einschränkungen werden automatisch in den nächst höheren Pflegegrad übergeleitet. (Beispiele: Pflegestufe I wird in Pflegegrad 2, Pflegestufe III wird in Pflegegrad 4 übergeleitet).
Menschen, die zudem eine eingeschränkte Alltagskompetenz haben, werden automatisch in den übernächsten Pflegegrad eingestuft. (Beispiel: Pflegestufe 0 wird in Pflegegrad 2, Pflegestufe II mit eingeschränkter Alltagskompetenz wird in Pflegegrad 4 übergeleitet.)

Was ändert sich für Pflegepersonen, z.B. für pflegende Angehörige?
Pflegepersonen / pflegende Angehörige haben bisher schon einen Anspruch auf den Erhalt von Rentenversicherungsbeiträgen. Aufgrund des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs wird die Pflegeversicherung ab 2017 für einen deutlich größeren Personenkreis Rentenbeiträge entrichten. Es kommt dabei darauf an, in welchem Umfang die Pflege erbracht wird und welcher Pflegegrad bei der pflegebedürftigen Person vorliegt.
Neu ist, dass Pflegepersonen ab 2017 gesetzlich in der Arbeitslosenversicherung versichert werden. Unter bestimmten Voraussetzungen besteht für Pflegepersonen damit die Möglichkeit, nach dem Ende der Pflegetätigkeit Arbeitslosengeld zu beantragen und Leistungen der Arbeitsförderung zu beanspruchen.
Weitere detaillierte Informationen zu dem Pflegestärkungsgesetz liefert das Bundesministerium für Gesundheit unter www.pflegestaerkungsgesetz.de

Die Pflegestufen

Die durchschnittliche Lebenserwartung ist auch in Deutschland seit Mitte des letzten Jahrhunderts deutlich gestiegen und mit ihr auch die Anzahl der pflegebedürftigen Menschen und die Dauer der Pflegebedürftigkeit. Pflegebedürftige und ihre Angehörigen mussten in der Folge immer häufiger Sozialhilfe in Anspruch nehmen, um die Kosten der Langzeitpflege tragen zu können. Um die Kosten der Pflege für die Sozialhilfeträger zu verringern, wurde im Jahr 1994 von der damaligen Bundesregierung die Einführung einer gesetzlichen Pflichtversicherung zur Vorsorge gegen das finanzielle Pflegerisiko beschlossen.

Am 1. Januar 1995 ist die Soziale Pflegeversicherung (SPV) als Pflichtversicherung in Kraft getreten, die im SGB XI gesetzlich geregelt ist.

Ergänzend traten ab 2002 das Pflegeleistungs-Ergänzungsgesetz, zum
30. Oktober 2012 das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz und zum
1. Januar 2015 das Erste Pflegestärkungsgesetz in Kraft.

Seit 1995 ist jede Person, die in einer gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung Mitglied ist, verpflichtet, Beiträge zur Pflegeversicherung zu zahlen.

Um überhaupt Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen zu können, muss zunächst ein Antrag bei der zuständigen Pflegekasse (Krankenkasse) gestellt werden. In der Folge findet ein persönlicher Besuch des Medizinischen Dienstes der Krankenkasse (MDK) beim Versicherten statt. Im Rahmen dieses Besuchs stellt der MDK in einem Pflegegutachten den Zeitbedarf für die persönliche Pflege (Körperpflege, Ernährung und Mobilität) sowie für die hauswirtschaftliche Versorgung und damit auch den Grad der Pflegebedürftigkeit fest.

Ist ein bestimmter Mindestzeitaufwand erreicht, werden die Pflegebedürftigen je nach Umfang des Hilfebedarfs einer von drei Pflegestufen (I, II oder III) zugeteilt. Gegen die Entscheidung seiner Pflegekasse (z.B. Ablehnung des Antrages) kann jeder Versicherte Widerspruch einlegen.

Pflegestufe I (erhebliche Pflegebedürftigkeit): Diese liegt vor, wenn mindestens 90 Minuten täglich Pflegehilfe benötigt wird. Auf die Grundpflege müssen dabei täglich mehr als 45 Minuten entfallen. Mit Grundpflege sind die Grundbedürfnisse des täglichen Lebens gemeint, z.B. Aufstehen, Duschen, Anziehen, Hilfe beim Essen, Gehen, Zu-Bett-Gehen, Auskleiden, Darm- und Blasenentleerung. Zusätzlich muss mehrfach wöchentlich Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt werden.

Pflegestufe II (schwere Pflegebedürftigkeit):
Schwerpflegebedürftige benötigen mindestens dreimal täglich zu unterschiedlichen Tageszeiten Hilfe bei der Grundpflege. Zusätzlich muss mehrfach in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt werden. Der durchschnittliche tägliche Hilfebedarf beträgt dabei mindestens 180 Minuten, wobei mindestens 2 Stunden auf die Grundpflege entfallen.

Pflegestufe III (schwerste Pflegebedürftigkeit):
Schwerstpflegebedürftigkeit liegt vor, wenn der Hilfebedarf bei der Grundpflege so groß ist, dass er Tag und Nacht (rund um die Uhr) gegeben ist. Zusätzlich muss die pflegebedürftige Person mehrfach in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen. Der wöchentliche Zeitaufwand muss im Tagesdurchschnitt mindestens fünf Stunden betragen, wobei auf die Grundpflege mindestens vier Stunden entfallen müssen. Bei einem außergewöhnlich hohen oder intensiven Pflegeaufwand kann in der Pflegestufe III auch ein sogenannter Härtefall vorliegen. Im Rahmen der Härtefallregelung werden von der Pflegekasse höhere Leistungen gezahlt.

Ein Sonderfall ist die sogenannte Pflegestufe 0: Sie richtet sich in der Regel an Demenzkranke, geistig, psychisch und physisch Behinderte. Diese Menschen mit dauerhaft erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz können Pflegegeld und bestimmte Leistungen zur Deckung eines Bedarfs an allgemeiner Beaufsichtigung und Betreuung in Anspruch nehmen, auch wenn noch nicht der für Pflegestufe I erforderliche Zeitumfang erfüllt wird.

Je nach Pflegestufe unterscheidet sich auch die Höhe der Leistungen. Die Kosten der Pflege werden von der Pflegekasse bis zu bestimmten Höchstbeträgen übernommen. Die Pflegeversicherung ist daher keine Vollversicherung. Um eine vollständige Absicherung zu erreichen, ist der Abschluss einer privaten Pflege-Zusatzversicherung notwendig.

Das Pflegegeld wird einem pflegenden Angehörigen des Pflegebedürftigen oder einer helfenden Privatperson ausgezahlt. Die Qualität der Pflege wird in regelmäßigen Abständen bei einem Qualitätssicherungsbesuch durch einen zugelassenen Pflegedienst geprüft.

Wird die Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst ausgeführt, übernimmt die Pflegeversicherung die Kosten bis zu einem festgelegten Betrag, in diesem Fall spricht man von Sachleistung.

Basierend auf einem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff wird am 1. Januar 2017 das Pflegestärkungsgesetz II in Kraft treten. Mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff wird das bisherige System der drei Pflegestufen und der Feststellung einer erheblich eingeschränkten Alltagskompetenz durch fünf neue Pflegegrade ersetzt.

Das neue Gesetz erläutern wir ausführlich in dem kommenden Beitrag.